Integrierte Ländliche Entwicklung
180 Kleinprojekte in der Oberpfalz über das Regionalbudget 2025 gefördert
(27.02.2026) Tirschenreuth, Lkr. Tirschenreuth - Mit dem Regionalbudget fördern die sieben bayerischen Ämter für Ländliche Entwicklung Kommunen, die sich freiwillig im Rahmen einer Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) zusammengeschlossen haben. „Die ILE ist neben der Dorferneuerung, der Flurneuordnung, verschiedenen Initiativen und Förderprogrammen eines der Schlüsselinstrumente der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung zur Schaffung und nachhaltigen Verbesserung gleichwertiger Lebensbedingungen im ländlichen Raum“, sagt Kurt Hillinger, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz.
Im Jahr 2020 wurde in Bayern erstmals das Regionalbudget als Förderinstrument für die ILE eingeführt. Es soll der Unterstützung einer engagierten und aktiven eigenverantwortlichen ländlichen Entwicklung sowie der Stärkung der regionalen Identität dienen. Mit dem Regionalbudget können Kleinprojekte gefördert werden, die der Umsetzung eines Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts dienen.
Unter den Begriff „Kleinprojekte“ fallen Projekte, deren förderfähige Gesamtausgaben 20.000 Euro nicht übersteigen. Im Jahr 2025 nutzten in der Oberpfalz 14 ILEn das Regionalbudget und unterstützten damit 180 Kleinprojekte engagierter Menschen. Insgesamt bezuschusste das ALE Oberpfalz diese Projekte mit 913.000 Euro. Die zuschussfähigen Gesamtkosten der Projekte lagen bei 1,83 Millionen Euro. „Die geförderten Maßnahmen kommen schnell und direkt den Bürgern zugute. Mit den Projekten gestalten sie ihr Lebensumfeld und stärken die Region. Dadurch steigt auch die Lebensqualität im ländlichen Raum“, betont Hillinger.
Nachfolgend ist aus den ILEn in der Oberpfalz je ein gefördertes Kleinprojekt exemplarisch aufgeführt:
Digitale Dokumentation des Israelitischen Friedhof Sulzbürg (Prof. Dr. Heide Inhetveen)
Der Israelitische Friedhof Sulzbürg mit seinen 364 Grabmalen ist ein zentraler Erinnerungsort und ein bedeutendes steinernes Zeugnis jüdischen Lebens in der Region. Die kunstvollen Grabinschriften sind allerdings weitgehend in hebräischer Sprache und Schrift. Das Projekt in Sulzbürg widmete sich deshalb der Übersetzung und digitalen Sicherung des jüdischen Friedhofs. Durch die Einbindung in die epigrafische Datenbank „epidat“ des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts sind die Ergebnisse auch den Nachfahren ehemaliger Sulzbürger Bürger weltweit zugänglich.
(Gesamtkosten 19.996 Euro, Förderung 10.000 Euro)
Aufwertung der Außenanlagen am TuS-Vereinsgebäude „Altes Schulhaus“ und Neuanschaffung von Equipment (TuS Großschönbrunn)
Dass man auch mit kleinen Dingen Großes bewirken kann, zeigt das Engagement des Turn- und Sportvereins Großschönbrunn. Am ehemaligen Schulhaus, das dem TuS Großschönbrunn seit 1972 als Turnstätte dient, soll für die Sommermonate ergänzend zum bereits vorhandenen Fußball- und Basketball-Feld der „Schulgarten“ sportlich genutzt werden. Eine Sitzgelegenheit (Tisch und zwei Bänke) wurden angeschafft, um Raum für generationenübergreifenden Austausch und Erholungsmöglichkeiten zu bieten. Durch die Anschaffung von Spiel- und Sportgeräten, die im Innen- und Außenbereich verwendet werden können, kann nun ganzjährig und wetterunabhängig sportlichen Aktivitäten nachgegangen werden. (Gesamtkosten 2.141 Euro, Förderung 1.177 Euro)
Spuren des Bergbaus: Denkmäler und Informationspunkte im Wölsendorfer Flußspatrevier ( Bergknappenverein Marienschacht Wölsendorf e.V.)
Der Bergknappenverein Marienschacht Wölsendorf errichtet im Zuge des Regionalbudgetprojekts ein Bergbaudenkmal in der Ortsmitte von Wölsendorf. Das Denkmal besteht aus einem Förderkorb, zwei Hunten und einem Wurfschaufellader, welche auf einer Gleisanlage platziert sind. Im Zuge des Projektes wurden die Denkmalbestandteile überdacht sowie das Umfeld gepflastert und mit einem Infokasten versehen. Am Eingang des zugemauerten Heinrich-Kocher-Stollens wurde eine kleine Spaltsteingrotte für die Schutzpatronin der Bergleute (Hl. Barbara) sowie ebenfalls ein Infokasten und Sitzgelegenheiten geschaffen. (Gesamtkosten 13.371 Euro, Förderung 10.000 Euro)
Flutlichtanlage Nord-Aktiv-Zentrum Althütte (Verein zur Förderung der Natur-aktiv-Region Althütte-Gibacht-Cerchov e.V.)
Das grenzüberschreitende Natur-Aktiv-Zentrum Althütte bei Waldmünchen wurde als umfangreiches INTERREG-Projekt umgesetzt und hat sich seitdem zum beliebten Treffpunkt für Wintersportler etabliert. Um das Loipenangebot zu erweitern, wurde in enger Abstimmung mit Behörden und Vereinen eine naturverträgliche Flutlichtanlage installiert. Diese dezente Beleuchtung ermöglicht es Einheimischen und Gästen, künftig auch in den Abendstunden aktiv den Winterwald auf der Loipe zu nutzen.
(Gesamtkosten 20.000 Euro, Förderung 10.000 Euro)
Errichtung eines Holzbackofens samt Umfeld-Gestaltung (Förderverein des Bauernhofkindergartens Chamerau)
Durch den Förderverein des Bauernhofkindergartens Chamerau wurde ein Holzbackofen errichtet. In diesem Zusammenhang wurden zudem das Umfeld gestaltet und eine Tribüne, ein Gedenkstein, eine Rutsche sowie ein Kletterseil errichtet. Der Holzbackofen befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bauernhofkindergartens: Dadurch können die Kinder lernen, wie man Brot und andere Nahrungsmittel zubereitet. Auch soll das Bewusstsein für regionale und gesunde Lebensmittel gefördert werden. Gleichzeitig ist der Holzbackofen öffentlich zugänglich und kann nach Absprache auch von Vereinen, Gruppierungen, Bürgerinnen und Bürgern etc. für andere Veranstaltungen genutzt werden. (Gesamtkosten 17.085 Euro, Förderung 10.000 Euro)
Streetball-Anlage (Heimatverein Betzenstein und Umgebung e.V.)
Im Rahmen der Zukunftswerkstatt Betzenstein wurde von den Jugendlichen als eine Maßnahme mit hoher Priorität die Erstellung einer Streetball-Anlage gewünscht. In zahlreichen ehrenamtlichen Stunden konnte dieser Wunsch auf einem Teil des ehe-maligen Tennisfeldes umgesetzt werden. Die Anlage kann jederzeit von allen genutzt werden und erweitert das bereits breite vorhandene Freizeitangebot (Sportplatz, Pumptrack, Freibad, Kletterwald). Es ist zudem vorstellbar, die Fläche zukünftig multifunktional zu nutzen. (Gesamtkosten 17.915 Euro, Förderung 9.495 Euro)
Ersteinrichtung für einen Makerspace in Plößberg (PlößbergWERK e.V.)
PlößbergWERK ist ein gemeinnütziger Makerspace, der eine offene
Werkstatt für Technikbegeisterte bietet. Dadurch wurde in einem Leerstand im Ortskern ein niederschwelliges Angebot für alle Altersgruppen geschaffen. Durch Fertigungsmethoden wie 3D-Druck, CNC-Fräsen und Elektronikprojekte werden digitale Kompetenzen vermittelt. (Gesamtkosten 9.239 Euro, Förderung 7.390 Euro)
Kochbuch mit traditionellen Rezepten und Geschichten (Evi Lemberger)
Das Kochbuch mit dem Titel „Frieda. s‘Essn im Lebn“ dokumentiert das Leben und Kochen von Frieda Lemberger, Köchin, Wirtin und Großmutter. Die Autorin Evi Lemberger verbindet hier traditionelle Rezepte mit Geschichten über die Gegend, persönliche Anekdoten und Koch- und Archivfotografien. Die Rezepte erzählen von traditionellen Gerichten, die Tipps und praktische Anregungen bieten. Die Anekdoten gewähren Einblicke in das Leben von Oma Frieda. Ein Teil der publizierten Bücher ist den öffentlichen Institutionen der Partnergemeinden der ILE Künisches Gebirge kostenlos zur Verfügung gestellt worden. (Gesamtkosten 5.952 EUR, Förderung 4.765)
Aufwertung der Aussichtsplattform beim Naturerlebnispfad „Lustweg“ durch einen Insight-Walk (Markt Waidhaus)
Der Naturerlebnispfad „Lustweg“ erfreut sich seit 2009 bei Einheimischen und Touristen großer Beliebtheit. Er wurde im Laufe der Jahre um „Geotracks“ und um eine hölzerne Aussichtsplattform erweitert. Diese wurde mit Ausschnitten aus trittsicherem Sicherheits-Glas ergänzt, um den Blick auf die darunterliegenden Pflanzen und Insekten zuzulassen. Entstanden ist der „Insight-Walk“. (Gesamtausgaben 14.145 Euro, Förderung: 7.671 Euro)
Kunst am Kinzbügel (Michael Meier)
Am Kuppenalb-Wanderweg zwischen Oberwiesenacker und Hilzhofen ist am Kinzbügel ein mobiles Kunstwerk aus Cortenstahl entstanden. Die Idee eines Besinnungsortes in Form eines Aussichtsturms mit Blick Richtung der Wallfahrtskirche Habsberg stammte vom verstorbenen Architekten Johannes Berschneider und wurde ihm nun (in kleinerer Ausarbeitung) gewidmet. In diesem Kunstobjekt sind alle Wände offen, der eingefasste Blick wird in Richtung Habsberg geleitet. Der Ort lädt zum Verweilen ein, er bietet Sitzmöglichkeiten aus Holzstämmen (12 Sitzhocker) und wird von außen beleuchtet. Eine Infotafel erklärt die Idee des Kunstwerks. (Gesamtkosten 10.339 Euro, Förderung 6.325 Euro)
Erweiterung des Angebots der Volkssternwarte mit Planetarium Dieterskirchen (Sternenfreunde Dieterskirchen e.V.)
Die Sternenfreunde Dieterskirchen e.V. haben im Außenbereich der Sternwarte zwei Betonsäulen zur Montierung von Teleskopen errichten lassen. Durch das massive Fundament können Schwingungen vermieden werden und eine konzentrierte Himmelsbeobachtung stattfinden. Als weitere Maßnahme wurde das Showangebot im Planetarium erweitert. Hierzu wurde eine fünfjährige Filmlizenz für die Show „Wir sind Sterne“ erworben. Der Film vermittelt auf sehr anschauliche und visuell hervorragend aufbereitete Weise die Geschichte des Universums und die Verkettung von Ereignissen und astrophysikalischen Prozessen, die zur Entstehung des Lebens auf der Erde geführt haben. (Gesamtkosten 14.059 Euro, Förderung 7.797 Euro)
Bücherschrank (Gemeinde Neusorg)
Im Themengarten der Gemeinde Neusorg ist ein begehbarer Bücherschrank entstanden. Die bestehende Grünanlage wird dadurch aufgewertet und für „Jung und Alt“ zu einem attraktiven Begegnungspunkt unter dem Motto „Lesen schafft Verbindungen“. Durch das Angebot wird im Zeitalter eines immer größer werdenden digitalen Medienangebotes der Wert des Buches und des Lesens gepflegt. Aufgrund des witterungsgeschützten und begehbaren Bücherschranks besteht die Möglichkeit, das Angebot ganzjährig zu nutzen. Der Bücherschrank steht dabei der Öffentlichkeit frei zugänglich zur Verfügung. (Gesamtkosten 19.682 Euro, Förderung 9.857 Euro)
TEH Rundweg auf der Gänsmühle (Hermann Scharf)
Auf dem Gelände der Gänsmühle zwischen Pressath und Zessau entstand ein Rundweg, auf dem heimische Heil- und Wildkräuter nach der Traditionellen Europäischen Heilkunde (TEH) entdeckt werden können. Auf einer großen Übersichtstafel und zusätzlichen Wege- und Informationsschildern können Besucher sich entlang des Weges orientieren und sich über die Kräuter informieren. Um den Standort für ökologische Bildung aufzuwerten, wurden zudem Sanitäreinheiten auf dem Gelände errichtet. (Gesamtkosten: 19.616 Euro, Förderung: 8.242 Euro)
Aufstellen von zwei Himmelsliegen zur Erweiterung des touristischen Angebots in Kürn (Dr. Sigrid Eisenhut)
Im Bernhardswalder Ortsteil Kürn wurden zwei hölzerne Himmelsliegen zum Verweilen und Entspannen errichtet. Mit einzigartiger Aussicht auf den Oberpfälzer Jura können Einheimische sowie Wanderer und Touristen hier kurze Rast halten. Der neu geschaffene Treffpunkt lädt zum Innehalten und zum Genuss der heimischen Natur ein. (Gesamtkosten 4.220 Euro, Förderung 3.377 Euro)